München/Ottobrunn-Riemerling, Sommersemester 2021

Trotz der Corona-Einschränkungen waren im Sommersemester 2021 zahlreiche unserer Dialog-Stipendiaten deutschlandweit in sozialen Einrichtungen im Auftrag der Solidaris aktiv. Wegen der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Bestimmungen hatte Solidaris sich dazu entschlossen, im Sommersemester keine neuen Bewerbungen anzunehmen, die meisten aktiven Stipendiaten verlängerten ihr Engagement über ein weiteres Semester im Dialog mit älteren Mitbürgern.

Unsere Studentinnen und Studenten im Dialog-Stipendium leisteten auch in diesem schwierigen Jahr einen sozialen und wertvollen Beitrag in den Altenheimen, obwohl die Kontaktmöglichkeiten zum Teil stark eingeschränkt waren. Viele unserer Stipendiaten haben sich Gedanken gemacht, wie sie die Senioren in den Altenheimen unterstützen können und dabei kamen wirklich gute und kreative Ideen zu Tage. Obwohl Besuche vorübergehend untersagt waren, konnten sie die Verbindungen zu den Bewohnern durch Telefongespräche und Briefe aufrechterhalten. Auch Spaziergänge draußen mit Maske sowie Skype-Gespräche waren und sind möglich.

Die Möglichkeiten eines Treffens sind im Moment gerade wieder erschwert; dennoch lässt sich immer ein Weg finden, den Menschen persönliche Zuwendung und Zeit zu schenken. Das ist gerade jetzt wieder sehr wichtig, denn die alten Menschen in Seniorenheimen leider nun noch mehr als zuvor an Einsamkeit.

Es hat uns sehr gefreut, dass sich mittlerweile von Kiel über Berlin bis nach Passau Stipendiaten der Solidaris in Senioreneinrichtungen um ältere Mitmenschen gekümmert haben und durch Spenden und Zuwendungen viel Zeit und Engagement für die Verbindung von Jung und Alt aufgewendet wurde.

Lesen Sie hier einige Auszüge aus den Erfahrungsberichten unserer Stipendiaten im Solidaris-Dialog-Stipendium im Sommersemester 2021:

Stipendiatin L. aus Passau: „Die Besuche im Seniorenheim waren immer ein persönlicher Gewinn für mich und gleichzeitig für die Bewohnerinnen. Die Besuche haben mir neben dem Jurastudium einen tieferen Sinn gegeben und waren auch für mich eine schöne Auszeit. Ich wurde mit sehr vielen Themen konfrontiert, mit denen ich noch nie zuvor so intensive Berührungspunkte hatte: Themen wie das Sterben, der Tod, Familienschicksale, Kriegserlebnisse, Einsamkeit aber auch Lebensfreude, Dankbarkeit, Vitalität und Selbstzufriedenheit begegneten mir so unmittelbar wie fast noch nie zuvor. Ich bin daher sehr, sehr dankbar, dass es das Solidaris Dialog-Stipendium gibt, dessen Ziel es ist, die Generationen wieder näher miteinander zu verbinden. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: dies ist ein Gewinn für alle!“

Stipendiatin M. aus Berlin: „Viel Zeit habe ich mit einer 107-jährigen Dame verbracht. Sie hat leider keine Angehörigen mehr, war häufig etwas verwirrt und schwelgt die meiste Zeit in Erinnerungen aus der Vergangenheit. Oft zitierte sie Gedichte und alte Lieder, welche sie aus ihrer Kindheit kennt. Auch bekam ich häufig einen Zugang zu ihr, wenn ich mich neben sie setzte und ein Wissensbuch mit vielen Bildern aufschlug. Die Demenzerkrankung einiger Bewohnerinnen und Bewohnern ist wirklich eine Herausforderung. Manchmal fällt es mir immer noch schwer und ich fühle mich durch unfreundliche Umgangsweisen etwas überrumpelt und überfordert. Jedoch habe ich gelernt, dass vor allem durch Ruhe, Humor und Leichtigkeit schnell wieder eine angenehmere Atmosphäre hergestellt werden kann. Natürlich verlangt es mir viel Mitgefühl und Verständnis ab – doch das habe ich vor allem dadurch erreicht, dass ich mich mehr über das Krankheitsbild informiert habe und zusätzlich viele hilfreiche Tipps und Anregungen von den Mitarbeitenden erhalten habe. Ich habe gemerkt, dass die Zeit hier auch meine persönliche Weiterentwicklung gefördert hat.“

Stipendiatin L. aus Eichstätt: „Zurückblickend auf die letzten sechs Wochen kann ich wieder einmal mit Stolz und einem Lächeln im Gesicht sagen, dass mir diese Zeit unglaublich viel gegeben hat und ich mich an wertvolle Erfahrungen erinnern kann: Bekannte Gesichter nach mehr als zwei Jahren mit einem Schmunzeln oder einem Lachen zu erhellen, weil man sich an gemeinsam Erlebtes erinnert, ist ein wunderbares Gefühl. Im Vergleich zu meinem ersten Einsatz im Sommer 2016 hat sich einiges an den Betreuungsangeboten verändert, neue und alte Gesichter in der Betreuung und unter den BewohnerInnen gestalten das Leben im Pflegeheim auf ihre Weise. Gleich geblieben ist allerdings, dass mir die Mitarbeit und vor allem die Gespräche mit den älteren Menschen, die das Dialog-Stipendium als Schwerpunkt hervorhebt, Sinn stiftet. Für meine Zukunft habe ich vor allem was den Umgang mit Menschen angeht viel gelernt. Ein Engagement in einem Umfeld, in dem es auf jede Berührung, jeden Blick und jede Minute ankommt, kann ich jedem empfehlen – besonders jungen Menschen, die sich fragen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen und Orientierung suchen. Mit Menschen, die schon so viel mehr erlebt und gesehen, Höhen und Tiefen überstanden und während Kriegen, Finanzkrisen und Hungerperioden überlebt haben, lässt sich das Leben aus einem völlig anderen Blickwinkel sehen. Man entwickelt „Herzensbildung“, kann das Leben aus meiner Sicht leichter angehen und es relativieren sich viele Probleme unserer Generation. Mein Dank geht ein zweites Mal an die gemeinnützige Gesellschaft Solidaris gGmbH: für diese (erneute) Chance, Gutes zu tun, Zeit sinnvoll zu verbringen, anderen zu helfen und die finanzielle Unterstützung.“

Stipendiatin N. aus Pilsting: „Ich freute mich sehr, als ich erneut eine Zusage für das Solidaris Dialog- Stipendium erhalten habe. Bereits zum fünften Mal darf ich mich für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken und für die Unterstützung gerade während der Pandemie. Da ich während meiner vorherigen Aufenthalte bereits Erfahrungen mit demenzerkrankten Senioren sammeln konnte, durfte ich in der Demenzabteilung einen kleinen Literaturkreis leiten. Außerdem fand am letzten Tag meines Aufenthaltes eine Andacht statt. Auch in den vergangenen Semestern hatte ich die Möglichkeit an Andachten teilzunehmen und auch dieses Mal war ich sehr begeistert. Der Gottesdienst im Altenheim ist etwas Besonderes und viele Bewohner scheinen dies ebenfalls zu schätzen. So erzählte mir eine Dame, dass sie hieraus Kraft und Motivation schöpfe, da sie Gott auch im Alter auf ihrem Lebensweg begleitet. Eine schöne Vorstellung, auf welche ich mich auch als junger Mensch gerne besinne. Alles in allem war die Tätigkeit im Seniorenheim sehr bereichernd für mich. Es war eine von vielen verschiedenen Spielen geprägte Zeit. Doch das Durchführen von Spielen regt bekanntlich die Kreativität und Fantasie an, gibt neue Denkanstöße und schaff dadurch Freiräume im Kopf. Gerade nach der pandemiebedingten sozialen Isolation tat nicht nur den Senioren, sondern auch mir die Begegnung sehr gut.“

Stipendiatin M. aus Kiel: „Dieses Semester war – wie auch schon das Vergangene-  in jeglicher Hinsicht besonders. Beispielsweise bastelten wir an einem Vormittag einen sogenannten „Wunschbaum“. Aufgrund demenzieller oder anderer Erkrankungen wurden dafür bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen. So konnten die Senioren und Seniorinnen vorgezeichnete Schablonen ausschneiden und nach einem bestimmten Schema falten. Dabei stand ich ihnen unterstützend zur Seite. Nach dem Ausschneiden und Falten habe ich gemeinsam mit den BewohnerInnen Wünsche zusammengetragen. Dabei wurden die verschiedensten Vorschläge wie beispielsweise Liebe, Gesundheit, Freude und viele weitere gemacht. All diese Wünsche schrieb ich dann im Beisein der BewohnerInnen auf die „Blätter“ des Wunschbaumes. Danach klebten wir sie auf eine große Leinwand und bauten daraus einen sehr schönen Wunschbaum, den wir später im Flur des Altenzentrums anbrachten. So können die BewohnerInnen den Wunschbaum mit vielen positiven Assoziationen tagtäglich im Vorbeigehen betrachten. Das gemeinsame Basteln hat mir viel Freude bereitet. Es ist immer wieder schön zu sehen, mit wie viel Elan sich die SeniorInnen in solche Aktivitäten miteinbringen. Und welchen Stellenwert die soziale Komponente neben der Pflege hat. Jedes Mal wird mir sehr viel Dankbarkeit entgegengebracht- sowohl von den SeniorInnen selbst als auch von den MitarbeiterInnen. Trotz gewisser Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie hat mir die Tätigkeit wieder viel Freude bereitet. Und gleichzeitig wird einem sowohl von den Senioren und Seniorinnen selbst als auch von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr viel Dankbarkeit entgegengebracht, welches mich immer wieder davon überzeugt, welch schönes und wertvolles Projekt das Solidaris-Stipendium ist. Vielen Dank, dass ich daran teilhaben darf!“